Der als „Alptraum für Deutschland“ deklarierte Agit-Prop-Abend am Theater Bonn ist am Ende vor allem das: ein Alptraum fürs Musiktheater. Wenige Wochen vor seinem 200. Todestag dürfte sich Carl Maria von Weber noch einmal kräftig im Grab umgedreht haben. Seine 1821 uraufgeführte romantische Oper „Der Freischütz“ wird am Theater Bonn auf dem Altar des politischen Aktivismus erbarmungslos zu Tode gefoltert. Vom düsteren Drama nach Beendigung des 30jährigen Krieges, den verletzten, verunsicherten Seelen der Menschen, von Wolfsschluchtromantik, der tiefen Melancholie böhmischer Wälder und geheimnisvoll-suggestiven Caspar-David-Friedrich-Landschaften ist an der Oper Bonn absolut nichts zu entdecken. Während der Ouvertüre flimmert eine bunte Bildershow aus Landschaftsaufnahmen, feiernden Menschen, glücklichen Familien und idyllischen Innenstädten über den Vorhang, die ab und an durch Aufnahmen von Flüchtlingsscharen konterkariert und etwas holperig mit der Musik in Einklang zu bringen versuc...
Sibylle schreibt
...über die Oper, das Leben und alles andere.